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Kosten

Die wahren Kosten eines Hauskaufs: Alle Nebenkosten erklärt

Sie haben die Anzahlung gespart. Glückwunsch — Sie sind ungefähr bei der Hälfte. Hier kommt die vollständige Liste aller weiteren Kosten zwischen Angebot und Schlüsselübergabe.

· · 5 min

A bright empty European apartment living room on handover day — hardwood floor, a tall window casting a warm afternoon sunbeam across the floor, and a single cardboard moving box in the middle with a set of brass house keys resting on top.

Sie haben das Haus gefunden. Sie haben die Anzahlung zusammen. Die Bank hat Ihnen eine Finanzierungszusage gegeben. Sie sind bereit zu unterschreiben.

Dann kommt die Schlussabrechnung vom Notar, und der Gesamtbetrag liegt acht bis fünfzehn Prozent über dem, was Sie kalkuliert hatten. Grunderwerbsteuer. Notarkosten. Grundbucheintrag. Maklerprovision. Bereitstellungszinsen. Und die Gebäudeversicherung, die die Bank ab Kaufvertragsabschluss verlangt.

Jeder Erstkäufer durchläuft irgendeine Version dieses Szenarios. Die gute Nachricht: Keine dieser Kosten ist ein Geheimnis. Sie stehen nur nie an einer einzigen Stelle, und so entdeckt man sie einzeln — immer als teure Überraschung. Hier ist jede Kostenkategorie, die Sie vor dem Notartermin im Kopf haben sollten.

Eigenkapital / Anzahlung

Der offensichtliche Posten. In Deutschland verlangen die meisten Banken mindestens 20 % Eigenkapital, um den Kaufpreis und die Kaufnebenkosten abzudecken — eine 100 %-Finanzierung ist theoretisch möglich, aber deutlich teurer. Was viele Erstkäufer übersehen:

  • Reservierungsgebühr und Anzahlungen vor der Beurkundung zählen zu Ihrem Eigenkapital, sind aber in der Regel verloren, falls Sie später vom Kauf zurücktreten.
  • Schenkungen aus der Familie müssen sauber dokumentiert sein, sonst wertet die Bank sie als unausgewiesenes Darlehen, was Ihre Bonität beeinflusst.
  • Je mehr Eigenkapital, desto besser Ihr Zinssatz. Zwischen 10 % und 20 % Eigenkapital liegen bei den Banken oft 0,2–0,5 Prozentpunkte Zinsunterschied — auf 25 Jahre ein fünfstelliger Betrag.

Grunderwerbsteuer

Der Kostenpunkt, der die meisten überrascht. Die Grunderwerbsteuer variiert nach Bundesland:

  • 3,5 % — Bayern, Sachsen
  • 5 % — Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt
  • 6 % — Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern
  • 6,5 % — Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen

Bei einem Haus für 400 000 € in NRW zahlen Sie also allein 26 000 € Grunderwerbsteuer. Die Steuer wird nach der Beurkundung fällig — haben Sie diesen Betrag bar bereit.

Notar- und Grundbuchkosten

In Deutschland ist der Notartermin gesetzlich vorgeschrieben. Zusammen mit der Eintragung ins Grundbuch fallen typischerweise 1,5–2 % des Kaufpreises an:

  • Notar: ~1–1,5 % (nach bundeseinheitlicher Gebührenordnung, kein Verhandlungsspielraum)
  • Grundbuch: ~0,5 %

Diese Kosten umfassen sowohl die Eintragung des Eigentums als auch die Eintragung der Grundschuld für Ihre Bank — zwei separate Vorgänge, aber beide mit dem Kauf verbunden.

Maklerprovision

Seit Dezember 2020 gilt in Deutschland die geteilte Maklercourtage: Käufer und Verkäufer zahlen je höchstens die Hälfte der vereinbarten Provision. Üblich sind 3 %–3,57 % inkl. MwSt für den Käufer.

Bei einem Haus für 400 000 € sind das nochmal ~14 280 € — zusätzlich zu Steuer und Notar. Kein Makler: kein Posten.

Kosten rund um die Finanzierung

Das Darlehen selbst verursacht Kosten über den Zinssatz hinaus:

  • Bearbeitungsgebühren — in Deutschland seit 2014 gerichtlich gekippt, dürfen nicht mehr separat erhoben werden (im Unterschied zu Nachbarländern)
  • Bereitstellungszinsen — wenn Sie das Darlehen nicht sofort abrufen (bei Neubau oder Sanierung): typisch 3 % p.a. auf den nicht abgerufenen Teil nach 3–12 Monaten bereitstellungsfreier Zeit
  • Schätzungsgutachten der Bank — bei einigen Banken bis zu 500 € extra, bei anderen inklusive
  • Vermittlungsprovision falls Sie einen Finanzierungsvermittler eingeschaltet haben — meistens vom Vermittler selbst vom Zins einbehalten, nicht separat abgerechnet

Beim Vergleich von Angeboten ist der effektive Jahreszins (nicht der Sollzins) die einzig faire Kennzahl: er enthält alle Nebenkosten des Darlehens.

Gutachten und Hausbesichtigung

Die Bank lässt ein Gutachten erstellen, um ihr Risiko abzusichern. Sie brauchen ein unabhängiges Sachverständigengutachten, um Ihres zu schützen. Das ist nicht dasselbe.

Ein Bankgutachten bestätigt, dass das Haus den Kaufpreis wert ist. Ein unabhängiger Gutachter sagt Ihnen, dass das Dach noch drei Jahre hält, die Elektrik von 1978 ist, und dass hinter den Fliesen im Bad Feuchtigkeit sitzt.

Gutachterkosten: 400–1 500 € je nach Objekt und Tiefe der Prüfung. Es ist das beste Geld, das Sie im gesamten Kaufprozess ausgeben — ein guter Gutachter bewahrt Sie vor einem Haus, das Sie nicht kaufen sollten, oder liefert Ihnen die Argumente, um den Preis neu zu verhandeln.

Versicherungen

Eine Gebäudeversicherung verlangt die Bank ab Eigentumsübergang — kalkulieren Sie 200–600 € pro Jahr.

Bei einer Finanzierung wird zudem häufig eine Risikolebensversicherung empfohlen, besonders wenn Sie nur einen Verdiener im Haushalt haben. Nicht gesetzlich verpflichtend, aber schützt Ihre Familie vor dem Verlust des Hauses bei Todesfall während der Laufzeit.

Umzug, Möbel und die ersten sechs Monate

Mit der Schlüsselübergabe hören die Ausgaben nicht auf:

  • Umzugsunternehmen: 500–3 000 € je nach Entfernung und Menge
  • Versorgerwechsel: Strom, Gas, Wasser, Internet — zusammen ~100–300 €
  • Möbel und Geräte für ein leeres Haus: planen Sie 5 000–15 000 € ein, auch wenn Sie bewusst einkaufen
  • Reparaturen, die das Gutachten identifiziert hat: 1 % des Kaufpreises als "Notgroschen der ersten sechs Monate"

Ein konkretes Rechenbeispiel

Sie kaufen ein Bestandshaus für 400 000 € in Nordrhein-Westfalen mit 20 % Eigenkapital, über einen Makler.

Position Betrag
Anzahlung (20 %) 80 000 €
Grunderwerbsteuer (6,5 %) 26 000 €
Notar + Grundbuch (~2 %) 8 000 €
Maklerprovision (3,57 %) 14 280 €
Gutachterkosten 600 €
Gebäudeversicherung (Jahr 1) 350 €
Umzug + Anmeldungen 1 500 €
Möbel und Erstausstattung 8 000 €
Barbedarf gesamt ~138 730 €

Das Haus kostet 400 000 €. Sie brauchen ~139 000 € Liquidität, um den Kauf abzuschließen und im Schlafzimmer zu übernachten. Das sind 74 % mehr als die reine Anzahlung. In Bundesländern mit niedrigerer Grunderwerbsteuer (Bayern, Sachsen) sind es rund 8 000–10 000 € weniger.

Das Fazit

Keine dieser Kosten überrascht Ihren Notar, Ihren Finanzierungsberater oder den Freund, der letztes Jahr gekauft hat. Sie wirken nur deshalb überraschend, weil sie nie an einer einzigen Stelle zu Beginn zusammengetragen werden.

Schreiben Sie sie auf. Erfassen Sie jede einzelne Ausgabe, während sie anfällt. Sie werden härter verhandeln, besser schlafen, und wenn jemand fragt "was hat dein Haus wirklich gekostet?", haben Sie eine echte Antwort — keine Schätzung.

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